Kurzantwort
Starten Sie mit dem Happy Path, nutzen Aktivitäten für Arbeitsschritte, Gateways für Entscheidungen und Events für Start/Ende. Freigaben explizit abbilden und nur relevante Ausnahmen modellieren. Ein gutes BPMN-Diagramm ist zuerst lesbar – dann detailliert.
- Happy Path zuerst, dann Ausnahmen ergänzen
- Freigaben explizit machen – sie sind wichtig für Governance
- Aktivitäten mit Verben benennen (z. B. 'Rechnung freigeben')
- Swimlanes nutzen, um zu zeigen, wer was macht
- Nicht über-modellieren: Klarheit schlägt Vollständigkeit
Schritt 1: Scope und Ergebnis definieren
Bevor Sie etwas zeichnen, beantworten Sie drei Fragen:
- Was triggert diesen Prozess? (Start-Event)
- Was ist das Ergebnis? (End-Event)
- Wer ist für diesen Prozess verantwortlich? (Accountability)
Schreiben Sie diese auf. Halten Sie den Scope auf ein klares Ergebnis – wenn Sie mehrere Ergebnisse modellieren, modellieren Sie vielleicht mehrere Prozesse.
Beispiel:
- Trigger: "Kunde reicht Support-Ticket ein"
- Ergebnis: "Ticket gelöst und geschlossen"
- Owner: "Support Team Lead"
Pro Tip
Wenn Sie das Ergebnis nicht in einem Satz definieren können, ist der Scope wahrscheinlich zu breit. Aufteilen.
Schritt 2: Happy Path modellieren
Der Happy Path ist, was passiert, wenn alles gut läuft. Keine Ausnahmen, keine Edge Cases – nur der normale Ablauf.
So geht's:
- Ein Start-Event zeichnen (Kreis)
- 5–12 Aktivitäten auflisten, die der Reihe nach passieren
- Mit Sequenzflüssen verbinden (Pfeile)
- Mit einem End-Event enden (fetter Kreis)
Benennungstipps:
- Verb-Objekt-Format verwenden: "Antrag prüfen", "Benachrichtigung senden"
- Spezifisch sein: "Bestand prüfen" nicht "Anfrage bearbeiten"
- Kurz halten: 2-4 Wörter pro Aktivität
Noch keine Gateways ergänzen. Erst den Hauptfluss richtig machen.
Das 12-Aktivitäten-Limit
Wenn Ihr Happy Path mehr als 12 Aktivitäten hat, modellieren Sie wahrscheinlich auf der falschen Detailebene. Verwandte Aktivitäten in Subprozesse gruppieren.
Schritt 3: Gateways für Entscheidungen ergänzen
Gateways zeigen, wo sich der Prozess verzweigt. Nur dort ergänzen, wo sich der Pfad wirklich ändert.
Gateway-Typen:
- Exclusive (XOR): Ein Pfad wird gewählt (am häufigsten)
- Parallel (AND): Alle Pfade werden gleichzeitig ausgeführt
- Inclusive (OR): Ein oder mehrere Pfade können ausgeführt werden
So fügen Sie ein Gateway hinzu:
- Identifizieren, wo sich der Pfad verzweigt
- Gateway einfügen (Rautenform)
- Jeden ausgehenden Pfad mit einer Bedingung labeln
- Sicherstellen, dass alle Pfade wieder zusammenführen oder enden
Labeling-Tipps:
- Explizit sein: "Betrag > 10.000€" nicht "Großer Betrag"
- Alle Fälle abdecken: Was passiert, wenn keine Bedingung zutrifft?
- Einfach halten: Bei mehr als 3 Verzweigungen überdenken
Schritt 4: Freigaben und Ausnahmen modellieren
Freigaben sind First-Class Citizens in BPMN. Verstecken Sie sie nicht in anderen Aktivitäten.
Freigaben modellieren:
- Eine explizite Aktivität erstellen: "[Ding] freigeben"
- Ein Gateway nach der Freigabe ergänzen
- Beide Pfade modellieren: "Genehmigt" und "Abgelehnt"
- Die Aktivität der richtigen Rolle zuweisen (Swimlane)
Ausnahmen handhaben:
- Nur Ausnahmen modellieren, die die Ausführung beeinflussen
- Intermediate Events für Fehler/Timeouts verwenden
- Eskalationspfade für feststeckende Arbeit ergänzen
Die 80/20-Regel: Den Happy Path und die Top 2-3 Ausnahmen modellieren, die echte Verzögerungen oder Risiken verursachen. Nicht versuchen, alles zu modellieren.
Important
Freigabeschritte sind dort, wo Automatisierung oft bricht. Explizit machen, den Ablehnungspfad modellieren und definieren, was passiert, wenn Freigebende nicht antworten.
Schritt 5: Mit Stakeholdern reviewen
Ein Diagramm, das niemand validiert, ist wahrscheinlich falsch.
Review-Checkliste:
- Mit den Leuten durchgehen, die die Arbeit machen
- Verifizieren, dass jede Aktivität korrekt benannt ist
- Bestätigen, dass Gateway-Bedingungen zur Realität passen
- Prüfen, dass Swimlanes echte Verantwortlichkeit widerspiegeln
- Fehlende Schritte oder falsche Abfolgen identifizieren
Häufige Korrekturen beim Review:
- "So nennen wir das nicht" → Aktivität umbenennen
- "Das machen wir nicht mehr" → Aktivität entfernen
- "Was ist, wenn X passiert?" → Ausnahmepfad ergänzen
- "Das ist nicht mein Job" → In richtige Swimlane verschieben
Nach dem Review:
- Diagramm mit Feedback aktualisieren
- Explizites Sign-off vom Process Owner einholen
- Follow-up-Review in 3-6 Monaten planen
BPMN-Diagramm-Checkliste
Nutzen Sie diese Checkliste, bevor Sie Ihr Diagramm teilen:
Struktur:
- Ein klares Start-Event
- Ein klares End-Event (oder explizite mehrfache Ergebnisse)
- Aktivitäten mit Verben benannt
- Gateways mit Bedingungen gelabelt
- Alle Pfade führen zu einem End-Event
Lesbarkeit:
- In 2 Minuten erklärbar
- Keine kreuzenden Linien wenn möglich
- Swimlanes zeigen Verantwortlichkeit
- Konsistentes Detailniveau
Governance:
- Freigaben sind explizite Aktivitäten
- Process Owner identifiziert
- Review-Datum geplant
- Mit SOP-Dokumentation verbunden
Bereit, Ihr Diagramm zu erstellen?